Und immer neue Hürden...
...über die es zu springen gilt. David Baumgartel 1. Vorsitzender des Kunterbunt e.V. berichtet über den nicht immer einfachen Umgang mit der Stadt Schwerte und der Friedrich Kayser Schule, in deren Kellerräumen das Rattenloch seine Räume hat und seine Arbeit als Vorsitzender.
Als ich im Mai 2002 zum 1. Vorsitzenden des Kunterbunt e.V. gewählt wurde, konnte ich ja nicht ahnen, was alles auf mich zu kommt und wie vielfältig diese ehrenamtliche Arbeit sein kann.
Dass es schon in den vorangegangenen 3 Jahren zu Schwierigkeiten bzw. Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt, Schulleitung und Kunterbunt kam, war mir bewusst, aber die Probleme in der vor mir liegende Amtszeit entwickelten sich zu den schwierigsten und umfangfangreichsten der gesamten Vereinshistorie.
Anfangs gab es so genannte „Runde Tische“ ,mit Schulleitung, Jugendamt, Vertretern des Schulverwaltungsamtes und uns um angebliche Probleme zu beheben. Schnell stellte sich hierbei heraus, dass etliche Vorwürfe und Unterstellungen gegen Kuntebunt völlig haltlos waren. Der im Jahr 2000 mit der Stadt vereinbarte Nutzungsvertrag sollte im Jahr 2005 auslaufen und nicht verlängert werden. Dies konnte und wollte der Verein nicht ohne weiteres hinnehmen. Zunächst hieß es für den Vorstand, Pressearbeit im großen Stile durchzuführen. Erstmalig gab man Interviews in Funk und Fernsehen, aber auch in der örtlichen Presse. Ein ganz neues Terrain für alle. Da musste man sich jeden Satz 3 Mal überlegen um nicht Missverstanden zu werden.
Nach der Kommunalwahl 2004 kam die Verwaltung auf die Idee (glorreich!fantastisch!spektakulär!) das Rattenloch an den Stadtrand (Ernst-Gremler-Strasse) von Schwerte zu verjagen. "Wir schätzen die Arbeit des Vereins und wissen um die Wichtigkeit der Arbeit, aber bitte nicht am derzeitigen Standort!" Solche Sätze und ähnliche Kracher mussten wir uns anhören von einer Verwaltung, der wir seit 20 Jahren kostenlose Jugend- und Kulturarbeit liefern.
Wir ließen uns aber nicht davon abschrecken, sondern rückten näher zusammen und schworen uns: „Jetzt erst recht“, denn es ist unser Recht im Rattenloch zu bleiben. Plötzlich saßen wir in großen Räumen im Rathaus vor Fraktionen und machten auf unsere prekäre Situation aufmerksam. Und siehe da: Wir stießen bei einigen auf offene Ohren und konnten uns verschiedenster Unterstützer erfreuen. Sie wollten ebenso wenig wie wir, dass kleine Kinder in dunklen Kellerräumen zur Betreuung untergebracht werden bzw. ein gemeinnütziger und von der Stadt Schwerte als freier Träger der offenen Jugendarbeit anerkannter Verein ausquartiert wird.
In mehreren Ausschüssen und Ratssitzungen erhielten wir die Möglichkeit unsere Sichtweise darzustellen.
Des Weiteren erfreute sich der Verein einer breiten Unterstützung aus der Bürgerschaft. In einem offenen Brief von Prominenten der Stadt an den Bürgermeister, forderten sie das Bleiberecht für Kunterbunt und eine angemessene Unterbringung der Offenen Ganztagsschule.
Dies waren weitere Motivationsschübe für uns alle und die Erkenntnis, dass wir mit unserem Stil wohl doch nicht so falsch fahren, wie es böse Zungen immer wieder behaupten hatten.
Als dann im August 2007 endlich nach 8 Jahren der entscheidende Ratsbeschluss gefasst wurde, dass das Rattenloch bleibt und die OGS einen Anbau bekommt, waren wir alle ziemlich erleichtert. Was für eine Last an diesem Tag von unseren Schultern gefallen ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Auch die gesamten Stunden, die man verbracht hat um sich immer wieder auf neue Strategien, Argumente und Beschlüsse vorzubereiten kann man nicht mehr zählen.
Als dann die Verwaltung im Januar 2008 an den Verein trat und die baulichen Mängel im Rattenloch auftischte und ein Veranstaltungsverbot ab Juni 2008 aussprach, dachten wir: Geht das jetzt schon wieder los? Wie viele Knüppel zwischen den Beinen können wir noch vertragen? Na gut, eine neue Notausgangstür einzubauen, dürfte ja nicht lange dauern.......
Die Verwaltung bestätigte den letzten Gedankengang auch. Spätestens nach den Sommerferien 2008 sei alles fertig......
(Paradox an der Geschichte ist, dass die Verwaltung eben diesen Notausgang bereits im Jahr 2004 errichtet hat. Damals ging man wohl davon aus dass wir ausziehen und errichtete ein billiges, nicht zulässiges Provisorium).
Nun haben wir Mitte November 2009!!!und die Tür ist immer noch nicht eingebaut. Das Rattenloch gleicht einer Großbaustelle und ich komme mir manchmal wie ein Bauleiter vor. Im Januar soll wohl alles fertig sein und dem Tag der Wiedereröffnung fiebern alle mächtig entgegen. Dann können wir (hoffentlich) wieder Kulturarbeit leisten und die Stadt bunter gestalten.
Als Fazit bleibt mir zu sagen:
Kunterbunter konnte das Aufgabenfeld der letzten 7 1/2 Jahre nicht sein. Ich hoffe, dass es nie wieder solche abstrusen Debatten um das Rattenloch gibt und das man den Verein in voller Gänze anerkennt.
Ein besonderer Dank gilt allen Förderern, Unterstützern, Fürsprechern, Mitgliedern für das, auch mir persönlich gegenüber, ausgesprochene Vertrauen, die Geschicke des Vereins zu leiten. ABER, und das sei dringend an dieser Stelle zu erwähnen, ich habe das ja auch nicht alleine getan. Deswegen auch hier ein großes Lob und Dank an Maike (2. Vorsitzende), Michel (Kassenwart), Jan (Ehrenvorsitzender) und alle Vereinsmitglieder!!!
Keep on rockin` and fight for your rights!
Bis bald im Rattenloch Schwerte!



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