Wie Kunterbunt mich überzeugte
Eltern kennen das Gefühl, wo treibt sich mein Kind eigentlich den ganzen Tag rum? Wenn meine Mutter sich das fragte war ich meistens im Rattenloch. Hier ihre Sicht auf Kunterbunt:
Mein Sohn kündigte im Alter von 14 oder 15 Jahren an Kunterbunt Mitglied zu werden, weil seine damalige Band einen Proberaum suchte. Als Kunterbuntmitglied könne man im Proberaumzentrum proben. Ab diesem Tag verließ er donnerstags gegen 20 Uhr das Haus, um zur Arbeitssitzung zu gehen, ging am Wochenende auf Konzerte ins Rattenloch. Er hatte dort offensichtlich seine Welt gefunden, fühlte sich, obwohl damals wohl einer der Jüngsten, anerkannt und akzeptiert. Es dauerte nicht lange und er hatte Sonntags ebenfalls Termine im Rattenloch: er ging putzen, mit einer für mich verblüffenden Selbstverständlichkeit. Auf die Frage, wer ihm diesen Auftrag erteilt habe kam die Antwort „Keiner. Auf der Arbeitssitzung wird besprochen, wer was macht.“
In der Folgezeit ging er, ebenso wie irgendwann meine Tochter, immer häufiger ins Rattenloch, zum feiern und zum arbeiten. Wir Eltern blieben zunächst außen vor, waren von unseren Kindern verständlicherweise dort auch eher nicht erwünscht. Welcher Jugendliche möchte schon gerne seine Eltern dabei haben, wenn er sich mit seinen Freunden trifft …
Als die Existenz des Vereins irgendwann um die Jahrtausendwende mal wieder auf dem Spiel stand, wurden mein Mann und ich inaktive Mitglieder, denn von der Wichtigkeit Kunterbunts waren wir da schon überzeugt.
Die Kunterbunten haben mich immer wieder positiv überrascht:
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Als sie sich nicht nur bereitwillig darauf einließen, mit mir theaterpädagogische Übungen zu machen, als ich dafür eine Gruppe suchte, sondern darauf bestanden, danach auch mit mir ein Theaterstück zu erarbeiten (für das wir 2004 sogar mit dem 1. Preis des Kinder- und Jugendprojektpreises der evangelischen Jugend von Westfalen ausgezeichnet wurden)
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Durch die Offenheit für Veranstaltungen unterschiedlichster Art
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Durch die planvolle Arbeit, die Kunterbunte in die Vorbereitung von Veranstaltungen stecken (was da so alles dazugehört wäre auch ein interessantes Thema für einen Blog)
aber ganz besonders,
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Durch den Willen und die Kraft, vereinsinterne Probleme zu bearbeiten und zu bewältigen. Es ist naturgemäß auch bei Kunterbunt nicht alles eitel Sonnenschein. Die Probleme mit Randalierern, Betrunkenen, Griff in die Kasse, Drogenkonsum und anderem mehr kennen nicht nur städtische Jugendzentren sondern eben auch Kunterbunt. Nur müssen sie hier o h n e hauptamtliche Verantwortliche untereinander geklärt werden. Wer mag schon gegen einen uneinsichtigen Freund und Kumpel Repressalien, gar ein Hausverbot aussprechen? Bei Kunterbunt hab ich es erlebt – auch die dabei durchlittenen Bauchschmerzen.
Ich wünsche allen Kindern und Jugendlichen ein Kunterbunt, wo sie sich ausprobieren können, Verantwortung tragen und die Folgen ihres Tuns hautnah erleben. Wo sie lernen zu überzeugen und sich überzeugen zu lassen. Wo sie sie selbst sein dürfen.



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